::: PURREN - rezensionen zur platte- can7 "purren" :::
„Die
allseits bejammerte Krise des großen Musikgeschäfts ist - wie wir
alle es leider nur zu gut wissen - mannigfaltig indiziert. Da wird mit einer
Halsstarrigkeit ein überkommenes Preismodell forciert, da werden absurde
Kopierkontrollen installiert, mithin die Rechte des Nutzers eingeschränkt,
da wird gemerged und fusioniert, da wird brutalstmöglich eingespart und
ausgedünnt, was Inhalte und was Personal angeht. Paradox hierbei: die Absatzzahlen
als oberstes Primat wird besonders auch der Promotionaufwand zusammengekürzt.
Einer Stelle wie dieser, bei der "deren" "Produkt" beworben,
zumindest ins Gespräch gebracht werden soll, liegen gehäuft lieblos
zurecht gebrannte Muster vor, gewatermarkte, geaudiostampte, beschnittene, zerhackstückelte,
kaum noch repräsentative Promoauflagen, oft exklusive des so essenziellen
Artworks oder - und hier gipfelt es - profane Online-Verknüpfungen ins
artifizielle Downloadnirwana. Der Anreiz, hierzu überhaupt ein Sterbenswörtchen
zu verlieren geht gegen Null. Dass "die" sich einen Scheiss aus Musik
nur noch machen, das ist so neu nicht, selten aber wurde es so sehr herausgefordert,
sich einen Scheiss auch aus "denen" zu machen. Die Misere ist nur
zu überwinden durch das Wesentliche. Durch die Liebe zur Musik, im allerpathetischsten
Sinn.
Dass diese auf Mikroebene eher noch gedeiht, das zeigt sich hier. Denn Red.Can.Records.,
und nun komme ich meinerseits zum Wesentlichen, sind dafür ein Vorzeigemodell.
In minutiösem Aufwand wird hier ein Release präsentiert, mehr noch:
gefeiert! Es wird ausgearbeitet, ausgeschmückt, aufgewertet, so lange,
bis jede komplementäre Darbringung ein stimmiges Ganzes macht, so lange,
bis der Enthusiasmus der Macher offenkundig wird und allein schon ein Anreiz
ist zum Erwerb. Und unter uns: Schreiber kriegt sich ebenfalls kaum noch ein,
wenn da auf einmal eine 12inch in transparentem Vinyl vor ihm liegt, eingeschlagen
in aufwändig bedruckten Pergamentkarton, zusätzlich versehen mit Lyricsheet
und zu allem Überfluss gar mit einer CD/R-Kopie des Albums (und selbst
die ist noch bedruckt). Da ist schon die Aufmachung ein Ereignis und selbst
wenn die Musik dahinter ein großer Mist wäre, die Platte gereichte
hörerseits immer noch zu einem schmucken Einrichtungsgegenstand. Allerdings:
die Musik ist alles Andere. Purren kommen aus München, spielen aber entgegen
der Herkunft allerbesten Endneunziger Midwest-Emo zwischen der Popneigung früher
Jimmy Eat World, dem rauen Charme von Hot Water Music und kleinen Zerbrechlichkeiten
ähnlich Mineral. Freilich erarbeiten sie sich damit keinen Distinktionsbonus,
sie rekapitulieren aber selten mitreißend jedes Moment, das das Genre
einst so aufregend gemacht hat. Eine runde Sache also, in jeder Hinsicht.“
persona non grata
(andreas richter), #61 frühsommer 2004
„Die
Songs der drei Münchner Lokalheroen von Purren gibt es nach Jahren des
Bandbestehens nun auch auf Tonträger. Lange, lange hat es gedauert, aber
das Warten auf die selbst betitelte 12-Inch-LP hat sich gelohnt. Nicht nur die
liebevolle Verpackung (transparentes Vinyl, eingehüllt in bedrucktes Pergamentpapier)
zählt zu den bisherigen Highlights des Red-Can_labels, auch musikalisch
haben Purren einiges zu bieten. Roher Emo-/indie-Rock, wie er in Passagen auch
von Promise Ring, Starmarket, Pop Unknown oder Hot Water Music gespielt wird.
Druckvolle Gitarren, kräftiges Schlagzeug, stimmige Melodien - mehr kann
man von einem Rocktrio fast nicht erwarten. Erfrischend und gut!“
the
gap,
#53 apri/mail 2004
„Zunächst
mal muss hier vorab das herausbringende Label explizit gelobt werden. Red Can
Records aus München schafft es immer wieder, seine Veröffentlichungen
mit artwork-technischen Glanzleistungen zu versehen und zu veredeln, die in
Deutschland nur selten erreicht werden! Im Falle von Purren hätten wir
hier ein stilvoll bedrucktes transparentes Cover und transparentes Vinyl, sowie
die ganze LP noch einmal als Bonus-CD/R-Dreingabe für die Strandparty (oder
so!). Kommen wir nun zu den Künstlern: PURREN sind wahre bayrische Könner
in sachen Emo-HC im Stile von Hot Water Music trifft Knapsack und At the Drive
In. Auf ihrer Debüt-Scheibe rocken sie sich äußerst abwechslungsreich
durch zwölf Song-Granaten, ohne jemals den Sinn für die großen
Melodien zu verlieren! Neben Hillside und Pale sicherlich eine der besten deutschen
Bands ihrer Zunft.“
frank
dietrich, april 2004
„Mega
sympathische Scheibe, vom schmusigen Pergament Cover bis hin zur Musik. Alles,
was man so an zeitgenössischer Musik mag wird hier befriedigt. Und trotzdem.
Wie immer ist es schwierig, es so zu beschreiben, wie man es gerade hört.
Sagen wir ein klasse Mix aus ENDEARMENT mit etwas bissigerer Stimme und LAST
DAYS OF APRIL, schleppender gespielt. Hey...ich habe gerade beide Vergleichsbands
nochmal aufgelegt, um sicher zu gehen. Mach ich äußerst selten. Denn
ich hielt es für wichtig. Klasse, dass außer Krach noch prima Platten
rauskommen. Ich denke, man wird von denen noch hören. Uneingeschränkte
Kaufempfehlung! “
trust,
#105 april/mai 2004
„Ich
hab wohl ein Déjà Vu. Eine Münchner, nun, sagen wir mal,
gefühlvolle Post-Hardcore-Band, die sich schon einige Zeit rumtreibt, aber
außerhalb ihrer Stadt kaum aufgefallen ist. Red Can Records aus eben dieser
Stadt ergreift die Initiative und wagt eine Veröffentlichung mit der Band.
Die Platte wird in ein schönes, aufwendiges Cover gesteckt, und obendrein
noch eine CD-Version beigelegt. Die Band heißt nur dieses mal nicht Jakov
Goodnight, sondern Purren, besteht aber ebenfalls aus drei Jungs. Das Cover
ist diese Mal auf bunt bedrucktem Transparent-Papier, und nicht siebgedruckt.
Und das ist keine Mini-LP, sondern gleich 12 Songs. Aber zurück zu den
Gemeinsamkeiten: Purren machen auch ihre Sache ganz gut, eben so leidenschaftlicher
melo-disch-rauher Emo-Indie-Punk. Und wie bei Jakov Goodnight ist das ganze
auch für mich nicht so richtig umwerfend, weil's einfach nicht so meine
Musik ist. Hm. Aber wem so etwas gefällt, dem sei das als nahe liegende
Alternative ans Herz gelegt. tk“
yot-zine,
april 2004
„Vinyl
zu reviewen ist mir ein besonderes Vergnügen; vor allem, wenn´s so
geil verpackt ist wie hier! Transparentes Vinyl im bedruckten Pergament-Folder
und das Ganze dann in einer PVC-Tasche. Das gibt schon mal dicke Pluspunkte
und macht neugierig, ob das eigentlich Wesentliche der Verpackung in nichts
nachsteht. Aber ich bin froh sagen zu können: absolut nicht! Schon der
erste Song ist ein richtiger Knaller in Sachen hochmelodischer Hardcore bzw.
punkiger Indierock - ihr wisst, was ich meine. Dieser Level wird eigentlich
das ganze Album, 12 Songs lang, gehalten; PURREN strotzen nur so vor guten Ideen
und Spielfreude, gehen schön mit Dynamik und Tempo um, kurz gesagt: hier
wird gerockt! Freunde früher GET UP KIDS oder (ebenfalls früher) PROMISE
RING werden mit Garantie auch an den Münchnern Gefallen finden, wobei mir
persönlich hier der Gesang stellenweise sogar ein wenig besser gefällt,
kommt irgendwie aggressiver rüber. Ein rundherum geglückter Erstling,
der absolut Spaß macht. In mir haben die Burschen aus Bayern jedenfalls
schon mal einen Fan im Nachbarland gewonnen, bleibt nur zu hoffen, dass der
positive Gesamteindruck von Band und auch Label nicht durch etwaiges Bayern
München-Fantum getrübt wird, hehe. Übrigens wird auch an Leute
ohne Plattenspieler gedacht: der 12" liegt das Album auch noch als CD-R
(aber nicht billig gebrannt oder so) bei. Ratschlag: zuschlagen!“
slam-zine,
#13 märz-april 2004
„Mal
wieder eine Band, die sich beim besten Willen nicht in eine Kategorie einordnen
lassen mag. Und wenn ich ehrlich bin, dann sind mir das meistens die liebsten.
Wir haben es hier mit äußerst melodischem, lautem Midtempo-Indierock
zu tun, der gerne auch mal emotional wird (das nur, um das berüchtigte
Kurzwort zu vermeiden) und ständig eine euphorische Stimmung verbreitet,
weil jede Strophe und jeder Refrain so klingen, als wären sie die letzten
vor dem Schlussakkord. Damit ähneln PURREN ein wenig einer Band namens
BUCK aus Schweden. Das schönste aber ist, dass PURREN nicht aus Schweden
oder Übersee stammen, sondern aus Deutschland, genauer aus München,
wenn ich mich recht irre. Schon deshalb, weil es zeigt, dass gute und originelle
Musik nicht immer woanders herkommen muss. Laut und ungestüm ist die Musik,
das merkte ich schon an, erwähnenswert ist dazu noch die sympathisch schmutzig-rumpelige
Produktion und das coole bunte LP-Artwork auf durchsichtigem Papier. Doch, doch,
sehr erbaulich, das. “
OX-Fanzine,
#54 märz 2004
„Zum
Beispiel ich, saß auf meinem Fahrrad. Mitten im Raum. Kühlender Fahrtwind
nirgendwo. Trotz Anstrengung bewege ich mich keinen Zentimeter vorwärts.
Hilfesuchend konstruiere ich mir eine Sinngebungsstrategie. Dann kam Purren.
Wie ein Rückenwind, der sich mit Böen ankündigt dann zum Rythmus
wird und schliesslich im gewollten Kurbeln endet. Auf der Suche nach der gemeinsamen
Geschwindigkeit nähern wir uns. Spass schleicht sich durch die undichten
Fenster. Male, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Kombinationen sind so mit Attitüden
belegt, dass unfreiwillig Begriffe wie Rock, Punk oder Hardcore auftauchen.
Purren nimmt sie alle mit. Fortgeschrittene Surfer die auch mit Bands wie Pegboy
oder at the drive-in können brauchen keine Schwimmweste. Und ich, mit Fahhrrad,
würde sowieso untergehen. Höchstens Purren legt noch einen Zahn zu.
Eine weitere ehrliche Veröffentlichung aus dem Münchner Hause red.can.records.,
das durch ein klares Statement zur Gitarrenmusik und durch besondere Artworks
auffällt. “
useless@starshot.de,
februar 2004
„Oha,
große Überraschung hier! Hinter dem zugegebenermaßen eher abschreckenden
Namen verbirgt sich zwar nicht die Inkarnation der Innovation, aber Purren,
ein Trio aus dem Bayrischen können was. Emotionaler, ungestümer und
variationsreicher Emocore mit viel Komplexität, der aber genug Raum für
Wut und Authenzität lässt. Als erstes fallen Hot Water Music zu frühen
"Finding the rhythms"-Zeiten ein, als sie sich noch eher an Fugazi
orientiert haben, somit sind Purren wahrlich nicht die erfindungsreichsten aber
das muss nicht sein, sie schaffen es auch so, einen nachhaltigen Eindruck zu
hinterlassen. 12 Songs (41 Minuten) mit teils deutschen Titeln aber immer englischen
Lyrics, LP+CDR im schicken Cover. “
www.flight13.com,
februar 2004